Schwule Patrioten und queere Jihadisten. Jasbir Puars Begriff „Homonationalismus“

Wann: 06.06.2017 um 18:30 Uhr
Wo: Hörsaal JO 1 (Johannisstraße 4)

 

Vortrag von Nina Rabuza

 Seit den 1990er Jahren ist in den USA und auch in Deutschland eine wachsende Akzeptanz sexueller Vielfalt zu beobachten, die sich beispielsweise in der Verbesserung der rechtlichen Situa-tion von Schwulen und Lesben zeigt. Die gesellschaftliche Liberalisierung steht zugleich in der Kritik – stellen sich LGBTs nach Jahren des Kampfes um Anerkennung nun in den Dienst west-licher Staaten, um deren Image als Hüter von Menschenrechten und liberaler Freiheiten herzustellen? Ist die staats- und gesellschaftskritische Haltung einer neuen Komplizenschaft mit dem Staat gewichen, die staatlichen und gesellschaftlichen Rassismus rechtfertigt? Die amerikanische queer-Theoretikern Jasbir Puar versucht anhand des Begriffs Homonationalismus die Verbindungen zwischen Nation, Sexualität und Identität zu ergründen: waren ehemals v.a. schwule Männer aus der amerikanischen Nation ausgeschlossen, so seien sie heute Teil des amerikanischen Mainstreams. Dafür werden neue Ausschlüsse produziert, die v.a. Muslime und Muslimas treffen würden. Nina Rabuza setzt sich in ihrem Vortrag mit dem Begriff Homonationalismus auseinander und versucht zu zeigen, dass Puar die Komplexität der gesellschaftlichen Realität nicht fassen kann. Statt die Spannungen und Probleme, die sich anhand der Situation von LGBTs zeigen, zu analysieren, führt der Begriff Homonationalismus in eine Sackgasse, in der jedes Sprechen über Schwulenfeindschaft immer schon Teil eines rassistischen Diskurses ist.

 Nina Rabuza studierte Politikwissenschaft und Philosophie in Halle und Berlin.Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Kritik des historischen und aktuellen Antisemitismus, Geschlechtertheorien und Geschichte und Gegenwart des Nationalsozialismus.Seit November 2016 Promotion am Fachbereich Philosophie an der Freien Universität zur Theoriegeschichte des Erinnerns und seit März 2017 Stipendiatin der Hans-Böckler-Stiftung in der Promotionsförderung.

Aus der Reihe Veranstaltungen des AStA der Universität Münster zur Ideologiekritik

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