Alle Beiträge von Schwulenreferat

Beißreflexe – Vortrag und Buchvorstellung

Wann: 20.06.2017 um 18.30 Uhr
Wo: Hörsaal JO 1 (Johannisstraße 4, Münster)

Mit Patsy l’Amour laLove

Queer steht für eine selbstbewusst perverse Entgegnung auf den heterosexuellen Wahnsinn und der Feindseligkeit gegen das Anderssein. Queerer Aktivismus wurde in Zeiten von AIDS als Selbstbehauptung verstanden: Die Perversen und Unangepassten – Schwule, Lesben und Trans-menschen – kümmerten sich umeinander und kämpften gemeinsam. Die Queer Theory der 1990er Jahre griff ihre Kritik mit emanzipatorischer Zielsetzung wissenschaftlich auf.
Queer hat in den vergangenen Jahren eine bedeutsame Veränderung erfahren. Queerer Aktivismus operiert häufig mit Konzepten wie „Critical Whiteness“, „Homonormativität“ und „kulturelle Aneignung“. Ein Kampfbegriff lautet „Privilegien“ und wittert hinter jedem gesellschaftlichen Fortschritt den Verrat emanzipatorischer Ideale. Oft erweckt dieser Aktivismus den Anschein einer dogmatischen Polit-Sekte. Das Ziel ist nicht selten die Zerstörung des sozialen Lebens der Angegriffenen.
Mit einem Vortrag stellt Patsy l‘Amour laLove den von ihr herausgegebenen Sammelband „Beißreflexe“, der im März 2017 im Querverlag erschien, vor und zur Diskussion.

Patsy l’Amour laLove, Geschlechterforscherin und Polit-Tunte aus Berlin, schreibt ihre Disser-tation zur Schwulenbewegung der 1970er Jahre in Westdeutschland, organisiert zahlreiche kultu-relle und wissenschaftliche Veranstaltungen wie bspw. „Polymorphia – die TrümmerTunten-Nacht“ im Neuköllner SchwuZ. Letzte Veröffentlichung vor Beißreflexe: Selbsthass und Eman-zipation. Das Andere in der heterosexuellen Normalität. Berlin 2016. www.patsy-love.de

Aus der Reihe Veranstaltungen des AStA der Universität Münster zur Ideologiekritik

Schwule Patrioten und queere Jihadisten. Jasbir Puars Begriff „Homonationalismus“

Wann: 06.06.2017 um 18:30 Uhr
Wo: Hörsaal JO 1 (Johannisstraße 4)

 

Vortrag von Nina Rabuza

 Seit den 1990er Jahren ist in den USA und auch in Deutschland eine wachsende Akzeptanz sexueller Vielfalt zu beobachten, die sich beispielsweise in der Verbesserung der rechtlichen Situa-tion von Schwulen und Lesben zeigt. Die gesellschaftliche Liberalisierung steht zugleich in der Kritik – stellen sich LGBTs nach Jahren des Kampfes um Anerkennung nun in den Dienst west-licher Staaten, um deren Image als Hüter von Menschenrechten und liberaler Freiheiten herzustellen? Ist die staats- und gesellschaftskritische Haltung einer neuen Komplizenschaft mit dem Staat gewichen, die staatlichen und gesellschaftlichen Rassismus rechtfertigt? Die amerikanische queer-Theoretikern Jasbir Puar versucht anhand des Begriffs Homonationalismus die Verbindungen zwischen Nation, Sexualität und Identität zu ergründen: waren ehemals v.a. schwule Männer aus der amerikanischen Nation ausgeschlossen, so seien sie heute Teil des amerikanischen Mainstreams. Dafür werden neue Ausschlüsse produziert, die v.a. Muslime und Muslimas treffen würden. Nina Rabuza setzt sich in ihrem Vortrag mit dem Begriff Homonationalismus auseinander und versucht zu zeigen, dass Puar die Komplexität der gesellschaftlichen Realität nicht fassen kann. Statt die Spannungen und Probleme, die sich anhand der Situation von LGBTs zeigen, zu analysieren, führt der Begriff Homonationalismus in eine Sackgasse, in der jedes Sprechen über Schwulenfeindschaft immer schon Teil eines rassistischen Diskurses ist.

 Nina Rabuza studierte Politikwissenschaft und Philosophie in Halle und Berlin.Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Kritik des historischen und aktuellen Antisemitismus, Geschlechtertheorien und Geschichte und Gegenwart des Nationalsozialismus.Seit November 2016 Promotion am Fachbereich Philosophie an der Freien Universität zur Theoriegeschichte des Erinnerns und seit März 2017 Stipendiatin der Hans-Böckler-Stiftung in der Promotionsförderung.

Aus der Reihe Veranstaltungen des AStA der Universität Münster zur Ideologiekritik

Frühjahrsdemo 2017

Wann: 29.04.2017
Wo: Schlossplatz 2, 48149 Münster

Am 29. April will die LSBTI*-Bewegung an ihre Anfänge erinnern und die Demo von 1972 neu aufleben lassen. Ab 11.30 wird auf der Original-Route von 1972 demonstriert und auf aktuelle Missstände im Jahr 2017 aufmerksam gemacht.

Alle Interessierten und Aktivist*innen sind dazu aufgefordert, auch einmal abseits der CSD-Saison für Akzeptanz, Vielfalt und gegen den aktuellen Rechtsruck zu protestieren.

Treffpunkt ist der Schlossplatz vor der Uni Münster.

Die Demo endet in der Stadt mit einem kleinen musikalischen Programm und Redebeiträgen aus der queeren Community.

Im Rahmen der Redebeiträge wird das diesjährige Motto sowie auch der/ die Botschafter*in des CSD Münster 2017 bekannt gegeben.

Podiumsdiskussion „Schwulendemo damals – LSBTI*-Bewegung heute“

Wann: 27.04.2017 um 19 Uhr
Wo: Hörsaal S8, Schloss der Universität Münster, Schlossplatz 2, 48149 Münster

Unter dem Motto „Schwulendemo damals – LSBTI*-Bewegung heute“ findet am 27. April um 19 Uhr eine Podiumsdiskussion statt.

Was sind die Gemeinsamkeiten der Schwulenbewegung damals und der heutigen LSBTI*-Bewegung? Was unterscheidet sie? Welche Ziele hat die Bewegung erreicht? Welche Probleme stellen sich immer noch, welche sind hinzugekommen?

Wie politisch waren die Bewegungen damals und heute? Wie hat sich die Community geändert durch die Sichtbarkeit weiterer Gruppen und die zunehmende Diversität?

Und warum spricht man eigentlich immer noch von der ersten „Schwulendemo“ (Wikipedia), wenn doch auch Lesben mitdemonstrierten?

Moderiert wird der Abend von Patsy l’Amour laLove. Patsy l’Amour laLove ist Polit-Tunte aus Berlin und forscht zur Homosexuellenbewegung der 1970er Jahre.

Mit Beiträgen in diversen Medien beteiligt sie sich an aktuellen Diskussionen zu queeren Themen. Zuletzt erschien ihr Sammelband „Beißreflexe. Kritik an queerem Aktivismus, autoritären Sehnsüchten und Sprechverboten“.

Eintritt ist kostenlos.

1000-Kreuze Marsch in Münster – Gegendemo!

Stubengasse, Münster
Samstag, 18.3.17, 12 Uhr.

http://gegen1000kreuze.blogsport.de/

Auch im März 2017 werden an einem Samstag wieder fundamentalistische Christ*innen mit weißen Holzkreuzen durch Münster marschieren. Unter dem Motto „1000-Kreuze-für-das-Leben“ demonstrieren sie mit ihrem Gebetszug vor allem gegen ein Recht auf Schwangerschaftsabbruch und damit gegen das Selbstbestimmungsrecht von schwangeren Personen. Die 1000 Kreuze sollen sinnbildlich für die, so behaupten sie, 1000 am Tag abgetriebenen Föten stehen. Diese Zahl ist absolut haltlos.

Das politische und christlich-religiöse Spektrum der Teilnehmer*innen ist breit gefächert. Das mit dem Gebetszug propagierte Weltbild impliziert reaktionäre Vorstellungen von Geschlecht, Sexualität und Familienleben: Queere Identitäten werden abgelehnt, Homosexualität und alle Formen des Begehrens abseits der heterosexuellen Zweierbeziehung verachtet. Sex soll vorallem der Fortpflanzung dienen und in der Ehe stattfinden. Deswegen werden auch Verhütungsmittel von einem Teil der Abtreibungsgegner*innen abgelehnt.
Alle Teilnehmenden des sogenannten „Gebetszugs“ vereint ein zweifelhafter Lebensschutzgedanke. Das Leben, das es für sie zu schützen gilt, ist das eines Fötus, nicht das der schwangeren Person.
In ihrer Argumentation setzen sie selbstbestimmte Schwangerschaftsabbrüche mit der vom NS-Staat organisierten und durchgeführten ‚Euthanasie‘ gleich. ‚Euthanasie‘ war die systematische Ermordung von als ‚unwertes Leben‘ kategorisierten Menschen seitens der Nationalsozialist*innen. Als „unwert“ wurden Menschen mit sogenannter „körperlicher“ und/oder „geistiger bzw. psychischer Beeinträchtigung“ erklärt.
Anknüpfungspunkt für die fundamentalistischen Christ*innen ist der Umstand, dass mit Hilfe von selektiver Pränataldiagnostik immer häufiger nach sog. von der Norm abweichende Föten, gesucht wird. Diese Untersuchungen setzten schwangere Personen unter Druck, nur vermeintlich „gesunde“ Föten auszutragen. Tatsächlich ist die Kritik an vorgeburtlichen Untersuchungen angebracht, die ausschließlich der Selektion von Embryonen mit möglicher „Behinderung“ dienen. Es ist falsch, Frauen*rechte und Rechte von Menschen mit „Behinderungen“ gegeneinander auszuspielen.

Zudem beruft sich ein Teil der selbsternannten ‚Lebensschützer*innen‘ auf völkische Argumentationsmuster : Durch Schwangerschaftsabbrüche sterbe das ‚deutsche Volk‘ aus(wahlweise auch das ‚europäische Volk‘) oder gerate in die Minderheit. Weil diese Vorstellung sich mit den „Islamisierungsängsten“ von Rechtspopulist*innen und „Besorgten Bürger*innen“ überschneidet, ziehen Veranstaltungen wie der sogenannte Gebetszug auch immer wieder Personen und Gruppen aus dem völkisch-rechten Spektrum, wie zum Beispiel Identitäre Bewegung, Neonazis und AFD, an.

Die Bundestagswahl und verschiedene Landtagswahlen stehen an. Mit der AfD zieht wahrscheinlich eine rechtspopulistische Partei in den Bundestag ein, die in den aktuellen rassistischen Diskussionen um Flucht und Migration massiv Stimmung macht. Neben ihrem – mal mehr, mal weniger – offen formuliertem Rassismus und ihren neoliberalen Forderungen setzt die Partei auch auf eine reaktionäre Geschlechter– und Familienpolitik. Ihre Forderungen richten sich gegen alternative Lebens- und Familienmodelle, gegen einen von ihnen als „Genderismus“ bezeichnete, Gleichstellungspolitik in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, und auch das Thema Schwangerschaftsabbruch ist Teil ihrer Agenda. Teile der AFD möchten zu einem vollständigen Abtreibungsverbot zurück und fordern eine „Willkommenskultur für Neu- und Ungeborene“. Sie stellen sich gegen jegliche Finanzierung von Abbrüchen durch den Staat. Diese Haltung fügt sich in ihre Wunschvorstellung eines stark autoritären Staates und einer ebenso strukturierten Gesellschaft ein. Hierbei bieten sich zahlreiche Anknüpfungspunkte für die selbsternannten ‚Lebenschützer*innen‘ und Gleichgesinnte. Viele der Themen, mit denen sich die AFD beschäftigt sind schon seit langem Teil der politischen und gesellschaftlichen Diskussion. Lobbyverbände wie „Christdemokraten für das Leben“ setzten sich seit Jahren in Deutschland und der EU für die Abschaffung straffreier Schwangerschaftsabbrüche ein. Rassistische Stimmungen, Gewalt gegen Geflüchtete und strukturellen Rassismus gab es auch schon vor der AFD!

Das Erstarken reaktionärer Kräfte beschränkt sich dabei nicht nur auf Deutschland. Auch anderswo feiern rechtpopulistische Parteien und Bewegungen mit antiemanzipatorischer Politik Erfolge, wie Beispiele in Frankreich, Polen oder in den USA zeigen.

Sichtbar wurde dies unter Anderem in Polen, als christliche Rechte einen Gesetzentwurf einbrachten, der Schwangerschaftsabbrüche per se unter Strafe stellen sollte. Breiter, offener und wütender Protest konnte dies verhindern.

Klar ist in jedem Fall: Die erreichten Erfolge und Teilerfoge emanzipatorischer und feministischer Kämpfe sind keine Selbstverständlichkeit. Sie müssen auch in Zukunft verteidigt und als Anknüpfungspunkt für weitere Veränderungen genutzt werden. Es ist Zeit, sich gemeinsam zu organisieren, zu vernetzen und emanzipatorische Forderungen auf die Straße zu tragen!

Frühstück und Sprechstunden in der vorlesungsfreien Zeit

Hallo zusammen!

Wie ihr wohl alle wisst beginnt am 10.02.2017 die vorlesungsfreie Zeit.
Das Schwulenreferat wird in dieser Zeit weiterhin für euch da sein, allerdings in reduzierter Stundenanzahl.

Frühstück in den Ferien:

10.02.

24.02.

10.03.

24.03.

07.04.

21.04.

Die Sprechstunden am Dienstag und Donnerstag werden jeweils in den Wochen stattfinden in denen auch das Frühstück stattfindet.

Bei dringenden Problemen sind wir natürlich über unsere Email immer zu erreichen.

Liebe Grüße
Phil & Rayk

Queere Adventsfeier 2016

Auch dieses Jahr möchten wir euch wieder herzlich zu unserer gemeinsamen Adventsfeier mit dem Autonomen Lesbenreferat einladen.

Diese findet am 15.12.2014 um 19.00 Uhr im Alter Ego (Bergstr. 30a) statt.

Dazu haben sich die Referent*Innen des Schwulen- und Lesbenreferats zusammengesetzt und ein wunderbares Programm für euch ausgearbeitet.
Bei weihnachtlicher Atmosphäre, einem Quiz und anderen Aktionen habt ihr die Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen und einen gemütlichen Abend zu verbringen.

Wir hoffen, dass ihr zahlreich vorbei kommt!

P.S.: Es gibt kostenlos Punsch

Kreuz & queer vol. III

Es ist wieder so weit – die kreuz & queer geht in die nächste Runde!

15000826_1143663505749006_6187312499068759176_o Um 19:00 wird gestartet mit einem Vortrag von Katja Peglow (Riot Grrrl revisited) unter dem Motto:

 „POPFEMINISMUS – ZWISCHEN EMPOWERMENT UND SELBSTINSZENIERUNG“
(Beschreibung unten)

Nach dem Vortrag kann bei alkoholischen und nicht-alkoholischen Getränken und veganem Essen noch etwas weiter zu diskutiert werden, bevor es mit der QUEER-PARTY ab 21:00 weitergeht.

DJs:
Sylvie (80ies)
Mayday (Queer Hip Hop)
LC (Trash ’n‘ Pop)

Eintritt frei – Spenden erwünscht.
Die Baracke ist barrierefrei.
Scharnhorststr. 100
All Genders welcome.

Die kreuz & queer vol III wird veranstaltet von Autonomes Frauenreferat und We love Consent. Der Vortrag wird unterstützt durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung.
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Popfeminismus – zwischen Empowerment und Selbstinszenierung:

Seitdem Miley Cyrus 2014 nackt auf einer Abrissbirne saß und sich als „eine der größten Feministinnen der Welt“ bezeichnete, werden feministische Themen auch im Mainstream der Popkultur verhandelt. Welche Möglichkeiten und Grenzen ergeben sich aus der Popkultur als Aktionsfeld des Feminismus? Inwieweit trägt die Repräsentation von Frauen* in der männerdominierten Popkultur zur Entwicklung von DIY Strukturen bei und ermöglicht die Aneignung subversiver Räume? Wird durch Popfeminismus eine Verbreitung emanzipatorischer Ansätze ermöglicht oder besteht andererseits vielleicht die Gefahr, dass Feminismus durch inhaltsleere (Selbst-)Inszenierungen zu einer hohlen Phrase verkommt? Inwiefern verliert der Feminismus emanzipatorische Inhalte, wenn es nur noch um „Ich mache was ich will“ geht? Inwieweit wird Selbstinszenierung als Emanzipation verkauft und was bleibt dann noch von einer emanzipatorischen feministischen Politik über? Und wie viel hat der Popfeminismus der 90er Jahre (Riot Grrrl?) noch mit den Nullerjahren-Feministinnen (Miley, Taylor, Beyonce) gemeinsam? Darüber soll an diesem Abend diskutiert werden